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Posts Tagged ‘rosarote Gitarre

Verhandlungspartner, Verhandlungspartei bezeichnet in diesem Blog die „andere Seite“. Dies geschieht sehr bewusst. Sprache evoziert Bewusstsein. Mit Feinden, Rivalen, Gegnern werden Gespräche meist erst nach Ende einer Auseinandersetzung, nach Gefechten oder gar Kriegen geführt. Meist ist eine der Parteien dann besiegt. Zwischen Gewinnern und Verlierern finden keine Verhandlungen auf Augenhöhe statt, da werden lediglich Bedingungen in Klartext ausformuliert.

Mein Nachbar Roman würde seine Tochter Lisa nie als Feind bezeichnet. Selbst wenn er bewusst oder unbewusst mit ihr verhandelt. Er ärgert sich zwar mal, wie im Fall der rosaroten Gitarre. Geschickt erzielte Verhandlungsresultate lassen keinen kalt.

Roman, mein Nachbar, wartete mit einem tomatenroten Kopf auf den Lift. „Hallo“ begrüßte er mich knapp. „Ciao Roman“, erwiderte ich seinen Gruß, verwundert über seine Gesichtsfarbe und die ungewöhnlich knappe Begrüßung.

„Roman, geht es Dir gut? Bist du in Ordnung?“ fragte ich besorgt.

„Nein, ganz und gar nicht! wehrte er ab – „Lisa!“

Lisa war seine zwölfjährige Tochter. Ein fröhliches und aufgewecktes Mädchen. „Was ist mit ihr?“ wollte ich wissen.

„Sie und Ihre Gitarre!“ Ich wusste, Lisa ist eine talentierte und eifrige Gitarrenspielerin. Sie hatte mehrmals Auftritte bei Anlässen in der Verwandtschaft und in der Gemeinde.

„Sie wollte unbedingt von ihrem Ersparten eine rosa Gitarre kaufen für einen speziellen Act. Sie hat schon vier Gitarren. Ich habe „Nein“ gesagt. Es ist reine Geldverschwendung. Eben erwische ich sie beim Üben auf ihrer neuen Gitarre – ganz pink!“

„Wie kommt sie denn zur rosa Gitarre?“ wunderte ich mich.

„Sie hat die Einwilligung ganz einfach bei Moni geholt! Sie bremste mich einfach aus!“ Moni ist die Mutter von Lisa, Roman’s Ehefrau.

Lisa ist, wie sehr viele Kinder, intuitiv mit der Situation umgegangen. Sie nutzte die fehlende Abstimmung zwischen den Elternteilen, um ihr Ziel zu erreichen. Lisa hatte auch keine Hemmungen einfach zur Mutter zu gehen und sie zu fragen.

Kinder können in Verhandlungssituationen eine echte Herausforderung sein. Ihre Argumente sind kaum vorhersehbar, ihre Verhaltensmuster noch nicht ausgeprägt und ihre Sozialisierung nicht derart, dass von Ihnen die Einhaltung ungeschriebener Verhaltensregeln erwartet werden.

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